Euroland braucht einen Jogi Löw

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Written by Ralf Pichler   
Wednesday, 15 February 2012
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© picture-alliance

"Euroland braucht einen Jogi Löw"? Was mag der Autor damit meinen?
Um es gleich vorweg zu sagen: Nein, ich meine damit nicht, dass die Länder des Euroraums einen Trainer brauchen, der alleine alle Spielzüge bestimmt. Und ich meine ganz sicher nicht, dass das unbedingt ein Deutscher sein müsste.

Der Vergleich ist mir eingefallen, weil Jögi Löw es geschafft hat, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wirklich als Team zusammen spielt, starke Spieler den Ball auch abgeben, wenn ein anderer in einer besseren Schussposition ist. Das hat sie in den letzten Jahren sehr erfolgreich gemacht.
Außerdem haben Fußball-Vergeiche auf NewropMag schon Tradition (siehe: Märkte und Fußball brauchen klare Spielregeln, von Harald Greib)

Genau wie die Spieler haben auch die Euroländer individuelle Eigenschaften, Stärken und Schwächen. Dabei wird zur Zeit allerdings nur auf die Unterschiede in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit geachtet.
Und von einem Teamspiel kann kaum die Rede sein.

Die deutsche Bundesregierung verhält sich eher wie Arjen Robben von Bayern München.
Sie benimmt sich wie der zwar stärkste Spieler, der aber nicht im Team spielen kann oder will, immer versucht, das Tor selbst zu schießen, andere dabei behindert und allen anderen nur sagt: "Ihr müsst nur genauso gut werden wie ich, dann werden wir schon erfolgreich".

Die anderen Spieler dürfen sich aber natürlich auch nicht nur darauf verlassen, dass der Spielleiter alles alleine erledigt. Alle Spieler müssen ihre persönliche Bestleistung bringen.

Jeder, der schon einmal in einem Team gearbeitet hat, weiß, dass man mit einem so zersplitterten Haufen keine besonders guten Ergebnisse erzielen kann.

Wie menschliche Team-Mitglieder, haben auch die Länder des Euroland-Teams unterschiedliche Fähigkeiten, Vergangenheiten, Motivationen und Stabilitäten.
Unterschiede in den natürlichen Ressourcen, Industrien, Infrastrukturen, Mentalität der Menschen, Klima, geologische und geopolitische Rahmenbedingungen.

Sie dürfen nicht alle über einen Kamm geschoren werden, sondern jedes Land muss zusehen, wie es sein Bestes zum Team Euroland beitragen kann.

Ein guter Teamleiter weiß, wie er die verschiedenen Fähigkeiten der Teammitglieder so kombinieren kann, dass das beste Gesamtergebnis erzielt wird.
Der alte Hase kann dem Jungspund Sorgfalt beibringen, aber sich auch von dessen Dynamik mitreißen lassen. Der Choleriker und der Depressive könnten sich gegenseitig motivieren und beruhigen.

Und die Mitglieder müssen zusammen spielen, statt gegeneinander.
Wenn jeder für sich alleine versucht, der Beste zu sein, wird eben NICHT das beste Gesamtergebnis erzielt.

Jogi Löw hat das als Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verstanden und erfolgreich umgesetzt.
Eine Nationalmannschaft von Euroland mit einem guten Trainer wäre weltweit fast unbesiegbar, und kein Hedge-Fund würde es riskieren, sie anzugreifen.

Eine solche Trainer- oder Koordinator-Rolle wird in Euroland aber nicht ausgefüllt.
In der EU wäre es Aufgabe der Kommission. Dort hin werden aber immer noch Politiker geschickt, die entweder großzügig abgefunden oder aufs Abstellgleis geschoben werden sollen. Nicht weil sie für diese Position auch nur die geringste Befähigung gezeigt hätten.
Ich glaube die Stuttgarter wissen besonders gut, was ich meine.
Die englische Rede unseres aktuellen Energiekommissars und früheren Ministerpräsidenten hier - Günther Oettinger - war ein Renner auf YouTube.

Das liegt aber nur daran, dass die Kommissare von den Regierungen der Länder ausgeklüngelt werden. Diese Regierungen setzen Kommissare ein, die ihnen hörig sind, und keinen Widerstand entgegenbringen.
Um beim Fußball-Vergleich zu bleiben, die Spieler suchen ihren Trainer selbst aus, und achten dabei darauf, dass er ihnen möglichst viele Freiheiten lässt und keine Vorschriften macht.

Länder, die eine gemeinsame Währung teilen, brauchen aber auch eine gemeinsame Koordination. Ob das eine einzelne Person sein muss, oder eine Gruppe aus Abgesandten aller Mitgliedsländer - eine Art "Euroland-Senat" - lasse ich noch offen.
Auf jeden Fall sollten sie aber von den Menschen gewählt, statt von den Regierungen bestimmt werden. Und dem Gemeinwohl des ganzen Raums verpflichtet sein.

Koordinatoren des Euroland-Teams sollten sich mit ihren Fähigkeiten bewerben, und von den Menschen gewählt werden, für deren Wohl sie sich einsetzen sollen!

Dann kann das Team Euroland auch erfolgreich zusammenwirken.

Ralf Pichler (Hamburg)
Global-Society.eu

Dieser Artikel basiert auf einem Input-Referat, das vom Autoren beim 2. Euroland Demokratisierungs-Forum in Stuttgart gehalten wurde.


Last Updated ( Wednesday, 15 February 2012 )
 
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In memoriam
In memoriam
After a long battle against the disease Franck Biancheri passed away 30th of October 2012, at the age of 51. A great European, a militant democrat, a wonderful person.
Franck Biancheri was founder of AEGEE and founding fathers of the ERASMUS programme. He also was research director of the European thinktank LEAP 2020. In 2005, following the ´no’ of the Dutch and French to the Constitutional Treaty, Franck Biancheri founded the European citizens movement Newropeans.